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Marktplatz 9 Restaurant-Café im Paradeis

Der "Prunn vor der Pfarr"
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Vor der ehemahligen gewaltigen spätgotischen Stadtpfarrkirche zu unserer lieben Frau (heute Volksbank) und den "Paradeis"-Häusern wird in einer Brunnenordnung von 1514 erstmals der Prunn vor der Pfarr erwähnt.

Eine hölzerne Brunnenfigur in rot gefasstem Gewande aus der zweiten Hälfte des 14.JH. verkündet: "1374 ist verpracht der Prunn". Diese ca. 50 cm hohe Holzfigur (bärtiger Mann) wurde nach 1945 vom Director der Militärregierung Captain Raymond J. Towle aus dem Rathaus entwendet. Eine Kopie steht im rückwärtigen Raum des Paradeis in einer Nische.

Der in Kalksteinplatten geschichtete Brunnenschacht von 1,40 Meter Durchmesser reicht vom oberen Brunnenrand bis in eine Tiefe von 7,80 Meter. Am Grunde befindet sich eine quadratische Brunnenstube aus Eichenbalken, in der sich das vom Berg zulaufende Wasser ca. 1 Meter hoch sammelt. Eine dendrochronologische Untersuchung dieser Eichenhölzer ergab die Jahre 1402, 1409, 1414, und 1448, sodass von einer letztmaligen Anlage um 1450 auszugehen ist (Tisje).

Der Prunn vor der Pfarr stellt ein unversehrt erhaltenes Dokument der Wasserversorgung einer mittelalterlichen Stadt dar.

Dr. Ludwig Bauer sowie Frau und Herr Groh

Ende des 19. Jh. gab es in Eichstätt 28 öffentliche und ca. 100 private Brunnen. Der sorglose Umgang mit Abortgruben führte zu einer zunehmenden Belastung der Brunnenwasser mit Coli-Bakterien und zur Schließung der Brunnen.
1879 untersuchte Apotheker Biechele das Wasser der verschiedenen Brunnen systematisch.
1888 wurde der Prunn vor der Pfarr aufgelassen und durch Einwölbung verschlossen.
1889 wurde eine allgemeine Wasserleitung eingeführt.
1970 brach das Gewölbes bei städtischen Grabungsarbeiten ein und wurde verfüllt.
1988 erfolgte eine erneute Freilegung durch das Landesamt für Denkmalpflege. Dabei fanden sich in den tieferen Schichten Messer, Knochen, Scherben, Nägel, Schusser, Münzen und ein Schädelstück.
Da der Stadtrat die Wiedererrichtung des Prunn vor der Pfarr abgeleht hatte, erfolgte die Abdeckung des Schachtes durch eine Betonplatte.

2003 wurde durch das Restaurant-Café im Paradeis in Zusammenarbeit mit Dr. Ludwig Bauer der Prunn vor der Pfarr wieder errichtet. Restliche Aufmauerung des Schachtes, Steinbrüstung mit Stufe, Darstellung der Funktion eines Schöpfbrunnens durch ein geschweiftes Dreibein mit der für das Mittelalter charakteristischen Spindelblume. Die Gestaltung erfolgte durch Steinmetzmeister Rupert Fieger. In die Brunnenbrüstung sind 6 Medaillons eingearbeitet:

NamensmedaillonDas Namensmedaillon symbolisiert die Art eines Schöpfbrunnens mit dem lebensspendenden Wasser.
Wappen der Stadt EichstättAktuelles Stadtwappen, Stadttor mit Eichenbaum, mit dem Jahr der Wiedererrichtung 2003.
Johann III. von EychWappen des um 1450 regierenden Stadtherrn Bischof Johann III. von Eych (1445-1460).
Brunnenfigur von 1374Hinweis auf Brunnenfigur von 1374, die auf einem der spätmittelalterlichen Stadtbrunnen stand.
Signet ParadeisSignet des Restaurant Café im Paradeis: Charaktertyp eines Löwen liegt "demokratisch" friedlich neben dem Charaktertyp eines Lammes. Ruhe und Muße ebenfalls als Synonym für "Paradies". Im Hintergrund die Schlange mit dem Apfel als Symbol der Versuchung.
gotisches Symbol der DreifaltigkeitFische als Symbol für Lebendigkeit, alles Leben spielt sich in der Trinität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als unzergliederbare "Dreieinigkeit" ab.
die BrunnenwandStein auf Stein rund und fein, die Brunnenwand.
die BrunnenstubeDie Brunnenstube mit den Original Eichenbalken.
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